Deutscher Gewerkschaftsbund

11.06.2019

Guter Lohn und Gute Arbeitsbedingungen sind entscheidend – auch für die Rente

Rund 140 Menschen besuchten am 6. Juni die rentenpolitische Fachtagung „Neustart in der Rentenpolitik - Vom Menschen her denken“ in Berlin. Die Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Gewerkschaft und Politik diskutierten über eine Anpassung des Rentensystems an einen sich verändernden Arbeitsmarkt. Deutlich wurde unter anderem: Sozialpolitik kann nicht alles auffangen. Entscheidend sind gute Arbeitsplätze mit guten Löhnen.

DGB Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach auf der Rentenpolitischen Tagung des DGB am 6. Juni 2019

DGB/Simone M. Neumann

Geballte Expertise, spannende Debatten, klare Positionen – so könnte man die rentenpolitische Fachtagung beschreiben, die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) zusammen mit dem DGB am 5. Juni veranstaltet hat.

Rund 140 Kolleginnen und Kollegen aus Wissenschaft, Gewerkschaft, Politik und Betrieb trafen sich in Berlin, um unter dem Titel „Neustart in der Rentenpolitik - Vom Menschen her denken“ über die Zukunft der gesetzlichen Rente zu diskutieren.

Wie kann Rentenpolitik auf sich verändernde Lebensläufe und Erwerbsbiografien reagieren? Geht es nur um das Vermeiden von Altersarmut oder muss grundsätzlich neu über die Alterssicherung nachgedacht werden?

„Der Titel der Tagung formuliert ein Programm“, sagte DGB-Bundsvorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Zu lange wurde bei der gesetzlichen Rente mit „Tunnelblick allein auf die Beitragsseite der gesetzlichen Rentenversicherung gedacht worden“. Die Frage, ob am Ende eines langen Erwerbslebens die Leistungen aus der gesetzlichen Rente für ein menschenwürdiges Leben reichen, „wurde an den Rand oder gar aus dem Bild gedrängt“.

Die Frage, „was für eine Sicherheit brauchen Menschen im Alter?“, muss ins Zentrum der politischen Entscheidungen, so Buntenbach weiter.

Die Rente steht nach wie vor im Zentrum der politischen Debatte. Wer ein Leben lang gearbeitet hat, muss am Ende auch eine Rente bekommen, die deutlich über der Grundsicherung liegt.


In vier Panels vertieften die Teilnehmenden die Diskussion um einzelne Themen wie die Finanzierung des Rentensystems, das Zusammenspiel von Arbeitsmarkt und Alterssicherung, betriebliche Altersvorsorge sowie Fragen des sozialen Ausgleichs. 

„Eine gute Rentenpolitik ist notwendig und ein Neustart notwendig“, sagte Florian Blank vom WSI. Denn: „Wir arbeiten uns heute noch an rentenpolitischen Entscheidungen ab, die vor Jahrzehnten getroffen wurden.“

Und es geht nicht ohne Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt, denn die Sozialpolitik kann nicht all das auffangen, was vorher schon falsch läuft. Was das Rentensystem alles auffangen, abdecken und korrigieren soll, ist eine wichtige Frage in den kommenden Debatten, die Prof. Gerhard Bäcker vom Institut für Arbeitsmarkt und Qualifikation bei der Tagung aufwarf.

Judith Czepek von der Georg-August-Universität erläuterte in ihrem Referat unter dem Titel „Flexibler Arbeitsmarkt, inflexible Renten“ die These, dass das Rentensystem den Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr gerecht wird. Unterbrochene oder lückenhafte Erwerbsbiografien, die nach wie vor herrschende Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern, ginge Qualifikation oder die Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse führen dazu, dass viele Menschen im Alter auf Grundsicherung angewiesen sind – obwohl viele von ihnen über Jahrzehnte in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Risikogruppen, die besonders von Grundsicherung im Alter betroffen sind, sind Menschen mit geringer Qualifikation, Frauen und Männer im Niedriglohnsektor, Langzeitarbeitslose, Mütter in Teilzeit, Beschäftigte mit körperlich belastenden Tätigkeiten sowie Ältere, die ihren Arbeitsplatz verlieren.

Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt bedeutet unterbrochene Erwerbsbiografien, Weiterbildung, Berufs- oder Branchenwechel, stark unterschiedliche Arbeitszeitmodelle. 

Für die Rente bedeutet das später meist: Abschläge oder geringe Altersrenten, weil diskontinuierlich oder zu wenig eingezahlt wurde. Von den Entwicklungen sind nach wie vor Frauen besonders betroffen. Czepeks Fazit: Rentenreformen sind deshalb auch immer Arbeitsmarktreformen. „Entscheidend sind gute Arbeitsbedingungen und gute Löhne. Hier muss die Politik noch viel tun, vor allem den Mindestlohn anheben und die Tarifflucht der Arbeitgeber eindämmen“, sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske.


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DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach bewertet die Ergebnisse der Rentenkommission

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DGB-Stellungnahme zum Entwurf des RV-Leistungsverbesserungs- und Stabilisierungsgesetzes (Rentenpaket I)

Dokument ist vom Typ application/pdf.

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