Deutscher Gewerkschaftsbund

16.01.2020

DRV widerspricht Studie: Vertrauen in gesetzliche Rente sinkt nicht

von Jörg Meyer

Die Rente bleibt im neuen Jahr ein umstrittenes Thema. Die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV) hat jetzt einer Umfrage des Instituts DIA widersprochen, nach der das Vertrauen der Bevölkerung in die gesetzliche Rente in den letzten zwei Jahren gesunken sei. Das Gegenteil sei der Fall und die Online-Befragung des von der Finanzindustrie finanzierten Instituts nicht repräsentativ.

Silhouette Senioren-Paar schwebt über den Händen eines Geschäftsmanns

DGB/Jakub Jirsak/123rf.com

Deutsche Rentenversicherung widerspricht Studie

Die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV) hat einer Studie des „Deutschen Instituts für Alterssicherung GmbH“ (DIA) widersprochen, nach der das Vertrauen in die gesetzliche Rente in den letzten Jahren zurückgegangen sei. Nach der Befragung des DIA liege das Vertrauen in die gesetzliche Altersvorsorge im Jahr 2017 auf einer Skala von eins bis zehn nur noch bei 3,7 gegenüber 5,7 Anfang des Jahres 2017.

Vertrauen in gesetziche Rentenversicherung gestiegen

Die Deutsche Rentenversicherung Bund, die über 57 Millionen Menschen betreut, stellte mit Bezug auf die jährliche repräsentative Bevölkerungsumfrage des Marktforschungsunternehmens IPSOS klar, dass 72 Prozent der Bevölkerung hierzulande im Vorjahr angaben, die gesetzliche Rente sei die „ideale Form der Altersvorsorge“. Dieser Wert habe nach DRV-Angaben im Jahr 2014 noch bei 54 Prozent gelegen. Das Vertrauen in die gesetzliche Rente sei also gestiegen, nicht gesunken. Die Vorteile der gesetzlichen Rentenversicherung seien in den letzten Jahren deutlich geworden, weil diese Form der Alterssicherung die Finanzkrise unbeschadet überstanden habe. Zudem seien die gesetzlichen Renten in den letzten Jahren gestiegen – im Westen um 15 Prozent, in Osten der Republik um 20 Prozent, sagte ein Sprecher der DRV laut Mitteilung. Die positive Arbeitsmarkt- und Einkommensentwicklung wirke sich auch positiv auf die gesetzlichen Renten aus.

DIA-Umfrage zugunsten der privaten Altersvorsorge

Das DIA ist ein im Jahr 1997 von der Deutschen Bank AG gegründetes Unternehmen, das in erster Linie Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Neben der Deutschen Bank kontrolliert die Zürich Gruppe Deutschland, eines der zehn größten Versicherungsunternehmen in Deutschland, das DIA. Weitere große Finanzdienstleister wie die DWS Group, Blackrock oder die Allianz Lebensversicherung sind nach Angaben auf der DIA-Homepage an dem Unternehmen beteiligt, das schon lange wegen seiner einseitigen Darstellungen zugunsten der privaten Altersvorsorge und gegen die gesetzliche Rente in der Kritik steht.

Die DRV wies in ihrer Mitteilung darauf hin, dass es sich bei der Online-Befragung des DIA nicht um eine repräsentative Umfrage unter der deutschen Bevölkerung handele – im Gegensatz zu den jährlichen IPSOS-Befragungen.

Mehrzahl der Erwerbstätigen ist auf gesetzliche Rente angewiesen

„Das DIA ist eine selbsternannte Denkfabrik und damit ein Unternehmen, das von der Finanzindustrie sein Geld bekommt“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. „Das Ziel dieser Unternehmen ist es, private Altersvorsorgemodelle zu verkaufen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die gesetzliche Rente nach wie vor die wichtigste und verlässlichste Säule des Rentensystems ist. Die Forschungsergebnisse, zu denen das DIA regelmäßig kommt, sind in ihrem Interesse vielleicht verständlich, aber gleichzeitig ausgesprochen irreführend. Die Mehrzahl der Erwerbstätigen kann sich eine private Altersvorsorge nicht leisten und ist deshalb auf eine starke und solidarisch finanzierte gesetzliche Rente angewiesen. Daran ändert sich nichts“, so Buntenbach weiter.


Nach oben

Video


DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach bewertet die Ergebnisse der Rentenkommission

Rentenkommission

Flyer "Rente mit Zukunft"

Kurs­wech­sel bei der Ren­te: Was jetzt pas­sie­ren muss
Weißer Text "Rente mit Zukunft" auf rotem Grund
DGB
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und seine acht Mitgliedsgewerkschaften wollen den Sinkflug der gesetzlichen Rente stoppen. Mit unserer Kampagne "Rente muss reichen" haben wir erreicht, dass die Politik sich bewegt. Wir haben erreicht, dass die Frage einer guten Alterssicherung wieder politisch diskutiert wird. Die neue Bundesregierung ist die ersten Schritte gegangen. In unserer Broschüre "Rente mit Zukunft" zeigen wir, wie es jetzt weitergehen muss.
weiterlesen …

DGB-Stellungnahme zum Entwurf des RV-Leistungsverbesserungs- und Stabilisierungsgesetzes (Rentenpaket I)

Dokument ist vom Typ application/pdf.

DGB-Stellungnahme zum "Rentenpaket I" - Entwurf eines Gesetzes über Leistungsverbesserungen und Stabilisierung in der gesetzlichen Rentenversicherung (RV-Leistungsverbesserungs- und Stabilisierungsgesetz): "Der Gesetzentwurf ist in seinen Grundzügen und in wesentlichen Teilen zu begrüßen. In einigen Details und insbesondere bei der Finanzierung muss jedoch nachgebessert werden."

Mehr zum Thema Rente

Wei­te­re Ver­bes­se­run­gen bei der Ren­te nö­tig
Älteres Paar schaut aus dem Fenster
DGB/marina113/123rf.com
In 2022 gab es Verbesserungen bei der Rente, aber auch kleine Rückschritte auf dem Weg zu einem stabilen und angehobenen Rentenniveau. In 2023 geht es nun darum das Rentenniveau dauerhaft zu stabilisieren und Rentenkürzungen zu verhindern.
weiterlesen …

Was än­dert sich 2023?
Hand zeigt auf Würfel mit Jahreszahl 2023
DGB/fokusiert/123RF.com
Auch 2023 gibt es Neuerungen, die Arbeitnehmer*innen, Versicherte und Leistungsempfänger*innen betreffen. Das Bürgergeld wird erstmals eingeführt und auch beim Kindergeld und in der Rente gibt es wichtige Änderungen. Was sich sonst noch ändert und was Sie künftig beachten müssen, haben wir in einem Überblick zusammengestellt.
weiterlesen …

Fünf Grün­de ge­gen ein spä­tes Ren­ten­ein­tritts­al­ter
Älterer Mann und ältere Frau im Gespräch während Arbeit vor Bildschirm
Colourbox
Wegen der demografischen Entwicklung will die Bundesregierung das Rentenalter bis Ende des Jahrzehnts von einst 65 auf dann 67 Jahre erhöhen. Eine Erhöhung auf 70 Jahre, wie sie von Vertreter*innen der Wirtschaft vorgeschlagen wird, lehnt der DGB strikt ab. Das hat gute Gründe.
weiterlesen …

Ren­te und Hin­zu­ver­dienst: lücken­lo­se so­zia­le Ab­si­che­rung nö­tig
Älterer Mann beim Ausputzen einer Wand
Colourbox.de
Neben der Altersrente soll künftig unbegrenzte Erwerbsarbeit möglich sein. Das Arbeitseinkommen begründet aber keine Leistungsansprüche bei Krankheit und Verlust des Arbeitsplatzes. Das birgt erhebliche finanzielle Risiken für die Betroffenen und beschädigt letztlich die Kombirente als Instrument für den Übergang.
weiterlesen …

Gu­te Ren­ten fi­nan­zier­bar – Ren­te ist fi­nan­zi­ell stark auf­ge­stellt
Miniatur-Figuren laufen an einem Zahlenstrahl Richtung "100"
DGB/Hyejin Kang/123rf.com
Seit Jahrzehnten prophezeien Arbeitgeber und ihnen nahestehende Wissenschaftler*innen den bevorstehenden Bankrott der Rentenversicherung. Eingetreten ist er nie. Stattdessen ist der Beitragssatz so niedrig wie seit 30 Jahren nicht.
weiterlesen …

Tipps für die Steu­er­er­klä­rung
Nahaufnahme weibliche Hand am Taschenrechner
DGB/morganka/123rf.com
Es ist wieder soweit: Bis Ende Juli muss die Steuererklärung abgegeben werden. Ausführliche Infos und Hilfen gibt es in der DGB-Broschüre "Lohnsteuer Grundbegriffe 2022". Sie kann ab sofort kostenlos über den DGB-Shop bestellt oder als PDF heruntergeladen werden.
weiterlesen …