Deutscher Gewerkschaftsbund

18.02.2019
Neue Kolumne zur Alterssicherung

Rente und Kraut und Rüben

von Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied

Eckrentner, Zurechnungszeiten, Rentenniveau: Die Diskussion über die Rente wird auch durch die vielen verschiedenen Begriffe immer komplizierter. Damit jeder beim Thema Rente mitreden kann, erklären der DGB und seine Gewerkschaften alle wichtige Begriffe und Konzepte. Denn am Ende eines langen Arbeitslebens muss eine gute Rente stehen, von der man in Würde leben kann.

Roter Sessel vor Wand mit Scribbles

DGB/bowie15/123rf.com

Rentendiskussionen sind meist total einfach: "Ist doch klar, dass das nichts wird.“ Oder sie sind so kompliziert, dass viele den Faden verlieren. Eckrentner? Zurechnungszeiten? Rentenniveau? Rente nach Mindesteinkommen? Genügend verwirrt kommen viele dann oft wieder bei der einfachen Botschaft „wird doch nix“  heraus, auch weil „teuer, teuer, teuer".

Gesetzliche Rente ist wichtigste Altersvorsorge

Wer in die BILD-Zeitung schaut und ihr glaubt, nimmt die Überzeugung mit, die gesetzliche Rente ist am Ende, warum genau auch immer. Die Kronzeugen und die Argumente wechseln, letztere sind nicht immer stimmig. Jedenfalls sei die gesetzliche Rente nicht (mehr) finanzierbar, heißt es, sie reiche ohnehin nicht aus. Mit derlei Behauptungen wird der Boden bereitet für den nächsten Artikel, in dem die private Vorsorge hochgejubelt wird – angeblich mit entsprechendem Einsatz auch für Ältere noch machbar. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt und die dicken Anzeigen der privaten Versicherungswirtschaft in dem Blatt mit den großen Buchstaben sucht. Und findet. Wahr ist das deshalb noch lange nicht. Studien haben gezeigt, dass gerade diejenigen, die am stärksten von Armut im Alter bedroht sind, sich die private Vorsorge nicht leisten können. Die gesetzliche Rente ist und bleibt für die meisten Menschen hierzulande die wichtigste Altersvorsorge – und oft die einzige.

Annelie Buntenbach, DGB-Vorstandsmitglied

DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach DGB/Simone M. Neumann

Die Autorin

Annelie Buntenbach ist seit 2006 Mitglied des Geschäftsführenden DGB-Bundesvorstands. In ihre Zuständigkeit fallen unter anderem die Themen Arbeitsmarktpolitik, Sozialpolitik und Seniorenpolitik – und damit auch das Thema Rente. Die Vita von Annelie Buntenbach lesen Sie hier.

Verstehen, wie Rente funktioniert

Wir wollen mehr Licht ins Dickicht bringen, denn dass nicht ganz einfach zu verstehen ist, wie Rente im Einzelnen funktioniert, macht manipulierbar. Wer nicht hinter die Fichte geführt werden will, sollte ein paar Tricks kennen, wie Rente mit Kraut und Rüben verrührt werden kann zu einer undurchsichtigen Masse. So ist beispielsweise gut zu wissen, dass dann, wenn man den sogenannten Eckrentner neu definiert, eine statistische Größe, der heute 45 Versicherungsjahre zu Grunde liegen, plötzlich die Rente nicht mehr sinkt. Allerdings nicht real, sondern nur auf dem Papier. Und wer von den zig Milliarden liest, die die Rente im Jahr 2060 kosten wird, sollte sich klar machen, dass diese absoluten Eurobeträge, die so wuchtig daherkommen, überhaupt nichts bedeuten. Früher hat die Kugel Eis ja auch 20 Pfennig gekostet. Um so riesige Eurobeträge in 40 Jahren einordnen zu können, braucht es mindestens einen festen Bezugspunkt, und hier fehlt der Maßstab. Wieviel Prozent macht das beispielsweise vom Bruttoinlandsprodukt aus, heute, 2040, 2060? Was verändert sich, was sind die Annahmen, was wird gegengerechnet? Sonst ist die einzige Botschaft, die der Milliardenberg in 2060 blinkend sendet, das ihn kein Mensch bezahlen kann. Könnte sein, dass genau das gewollt ist…

Argumente sammeln, Konzepte erklären

Deswegen stellen wir hier Argumente zusammen, wollen die Debatte befeuern, erklären Begriffe und Konzepte. Die haben wir nämlich in den Gewerkschaften gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern entwickelt und gemeinsam mit Sozial- und Wohlfahrtsverbänden diskutiert. So kompliziert ist Rente gar nicht, wenn man immer wieder auf den Kern zurückkommt: Am Ende eines langen Arbeitslebens muß eine gute Rente stehen, von der man in Würde leben kann. Das geht, und da werden auch die Jüngeren nicht überfordert, egal was ihnen die Versicherungslobby und ihre Helfershelfer mit Professorentitel weismachen wollen.

Dieser Text ist Auftakt unserer neuen Kolumne. Ab sofort finden Sie an dieser Stelle alle 14 Tage einen neuen Beitrag zur Rente - von Persönlichkeiten aus Politik, Kultur, Verbänden und Gewerkschaften.

Die Meinungen und Äußerungen der Autorinnen und Autoren dieser Kolumne entsprechen nicht zwangsläufig den Positionen des Deutschen Gewerkschaftsbundes.


Nach oben

Video


DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach bewertet die Ergebnisse der Rentenkommission

Rentenkommission

Flyer "Rente mit Zukunft"

Kurs­wech­sel bei der Ren­te: Was jetzt pas­sie­ren muss
Weißer Text "Rente mit Zukunft" auf rotem Grund
DGB
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und seine acht Mitgliedsgewerkschaften wollen den Sinkflug der gesetzlichen Rente stoppen. Mit unserer Kampagne "Rente muss reichen" haben wir erreicht, dass die Politik sich bewegt. Wir haben erreicht, dass die Frage einer guten Alterssicherung wieder politisch diskutiert wird. Die neue Bundesregierung ist die ersten Schritte gegangen. In unserer Broschüre "Rente mit Zukunft" zeigen wir, wie es jetzt weitergehen muss.
weiterlesen …

DGB-Stellungnahme zum Entwurf des RV-Leistungsverbesserungs- und Stabilisierungsgesetzes (Rentenpaket I)

Dokument ist vom Typ application/pdf.

DGB-Stellungnahme zum "Rentenpaket I" - Entwurf eines Gesetzes über Leistungsverbesserungen und Stabilisierung in der gesetzlichen Rentenversicherung (RV-Leistungsverbesserungs- und Stabilisierungsgesetz): "Der Gesetzentwurf ist in seinen Grundzügen und in wesentlichen Teilen zu begrüßen. In einigen Details und insbesondere bei der Finanzierung muss jedoch nachgebessert werden."

Mehr zum Thema Rente

So­zi­al­ver­si­che­run­gen stär­ken und ge­rech­ter ge­stal­ten
Miniatur-Figuren laufen an einem Zahlenstrahl Richtung "100"
DGB/Hyejin Kang/123rf.com
Die Renten-, Kranken- und Pflege- sowie Arbeitslosenversicherung schützen die Menschen solidarisch. Die beste Basis dafür ist und bleibt die Solidargemeinschaft. Der DGB hat Lösungen, wie künftig alle noch besser versorgt sind. „Rente mit 70“ und weniger Leistungen, wie es die von Arbeitgeberverbänden (BDA) eingesetzte Kommission vorschlägt, weist der DGB dabei entschieden zurück.
weiterlesen …

FAQ zur Grund­ren­te: Die­se Ver­bes­se­run­gen kom­men 2021
Ein älteres Paar mit Fahrrädern im Park
DGB/Wavebreak Media Ltd/123rf.com
Das Grundrentengesetz ist beschlossen und gilt ab 1. Januar 2021, Die Koalition aus SPD und CDU/CSU hat Verbesserungen für Menschen beschlossen, die auch nach vielen Jahre in Arbeit im Alter nur ein geringes Einkommen haben. Wir beantworten die wichtigsten Fragen in unserer FAQ zur Grundrente.
weiterlesen …

So­zi­al­sys­te­me ent­las­ten: So nicht
Miniatur-Figuren laufen an einem Zahlenstrahl Richtung "100"
DGB/Hyejin Kang/123rf.com
Lebensarbeitszeit verlängern, Abschläge bei früherem Renteneintritt erhöhen: Das sind nur einige der Maßnahmen, mit denen die Arbeitgeber die Beiträge zur Sozialversicherung deckeln wollen. "Die Arbeitgeber übersehen offenbar den hohen Nutzen von sozialem Frieden für die Wirtschaft und die Wirksamkeit des Sozialbudgets für die Konjunktur", kritisiert DGB-Vorstand Anja Piel.
weiterlesen …

Co­ro­na und Ren­te - Pa­nik­ma­che un­an­ge­bracht
Miniatur Rentnerpaar steht auf Goldmünzen
colourbox.de
Die Rentenerhöhung zum 1. Juli ist richtig, auch in der Corona-Krise, denn diese entspricht der Lohnentwicklung des letzten Jahres. Aussagen einzelner Rentenexperten, es drohe eine Unwucht oder kurzfristig Finanzierungsprobleme sind Meinungsmache. Bei näherer Betrachtung zeigen sich Missverständnisse und lückenhafte Darstellungen – auch wenn natürlich ein Körnchen Wahrheit enthalten ist.
weiterlesen …

Grund­ren­te – Kanz­le­rin muss ein Macht­wort spre­chen
Älteres Paar schaut aus dem Fenster
DGB/marina113/123rf.com
DGB-Vorstand Anja Piel kritisiert, dass die Union die Grundrente weiterhin blockiert. „Sie erzwingt ständig neue unsinnige Regeln und konstruiert so einen bürokratischen Hürdenlauf, statt den Menschen zu helfen“, sagt Piel. Sie fordert die Kanzlerin und Parteivorsitzenden auf, die anhaltende Sabotage durch die Wirtschaftslobbyisten zu unterbinden.
Zur Pressemeldung

Tipps für die Steu­er­er­klä­rung
Nahaufnahme weibliche Hand am Taschenrechner
DGB/morganka/123rf.com
Es ist wieder soweit: Bis Ende Juli muss die Steuererklärung abgegeben werden. Ausführliche Infos und Hilfen gibt es in der DGB-Broschüre "Lohnsteuer Grundbegriffe 2020". Sie kann ab sofort kostenlos über den DGB-Shop bestellt oder als PDF heruntergeladen werden.
weiterlesen …
Erste Seite  Vorherige Seite 
Seite: 1 2 3
Letzte Seite